| Joseph Beuys | zum 100. Geburtstag | |
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| | | | | Joseph Beuys ... eine Hommage zum 100. Geburtstag Alle abgebildeten Arbeiten sind bei uns in der Galerie erhältlich! | | | | | | |
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| | | | | JOSEPH BEUYS – Glück Rede anlässlich der Vernissage "Joseph Beuys - Glück" im April 2010 © KUNSTGUT HAMBURG | Thomas Holthoff & Bernd Uhde Die Rede hielt die Philosophin Nicole Wiedinger, Leiterin des Institut für Wirtschaftsgestaltung. N.WIEDINGER@IFW01.DE | © N. WIEDINGER | IfW | APRIL 2010 Gerne senden wir Ihnen den Text als pdf Dokument zu. | | | | | | |
| | | | | | Joseph Beuys, "Mit Fett gefüllte Skulptur", 1980, 32 x 25 cm, WvZ Schellmann Nr. 362, 34/75 (Normalausgabe, Aquatinta und Lithographie auf Rives gris) | | | | | | |
| | | | | Glück Wie Joseph Beuys Werke lesen, oder hören, oder riechen ... Joseph Beuys Kunstwerke und -performances sind Transformationsexperimente. Wie wandelt man Gleichgültigkeit in Liebe? Wie tauscht man Unfreiheit in Freiheit? Was braucht es, damit aus Unglück Glück hervorgehen kann? – Fragen wie diese stellt Beuys mit seiner künstlerischen Arbeit. Liebe, Freiheit und auch Glück. – In einem bestimmten Sinn – jeder weiß das – gibt es diese Phänomene gar nicht. Zwar kann man Glück haben, sicher, aber das Glück als solches, das hat man nie einfach so und einfach so lässt es sich auch nicht erwerben. Es weiß in jedem Fall schon einmal derjenige etwas vom Glück zu erzählen, der über das Leben sich selbst gewonnen hat! Und dahin zu kommen, so Beuys sinngemäß, bedarf es einer bestimmten Kompetenz: „Wer nicht denken will – sich selbst – fliegt raus!“, sagt er. | | | | | | |
| | | | | | Joseph Beuys, "Tränen: Hirschfuß", 1985, 43,5 x 32 cm, WvT Schellmann: Nr. 13/25 (Normalausgabe, Radierung auf Rives gris) | | | | | | |
| | | | | Peter Sloterdijk plädiert derzeit fürs Üben. – Nach seiner Meinung geht es heute weniger darum, die Welt zu verbessern, als es darauf ankommt, dass der Mensch selbst wieder besser, d.h. eben mehr er selbst, würde. Damit knüpft er – ähnlich wie seinerzeit Beuys – an alte europäische Traditionen an: Der Mensch muss im Laufe seines Lebens einen Transformationsprozess vollziehen, damit das Leben, das ihm gegeben ist, auch zu seinem Leben wird. Mag es bei vielen Denkern dieser Tradition – Sokrates war einer der ersten, Michel Foucault ein weiterer aus unseren Tagen – en Detaille auch Unterschiede geben, so gibt es etwas Grundlegendes, worüber sich alle einig sind: Dieses mysteriöse sich selbst, das im eben zitierten Beuys-Spruch sinnigerweise in Gedankenstriche gesetzt ist, will befreit werden! Wie kommt der Mensch dazu etwas zu können? Das interessiert Beuys. Und für ihn gab es nur eine Methode: Metamorphose – aus der Handlungsunfähigkeit in die Fähigkeit zu Handeln. Ich möchte an seine Manresa-Aktion von 1966 erinnern. Zentral in dieser Aktion war ein Stück konkrete Poesie, das während der Performance an die Wand geschrieben wurde ... nicht kann nicht nicht kann nicht nicht nicht kann nicht nicht nicht nicht kann nicht nicht nicht nicht nicht nicht nicht nicht nicht nicht nicht kann kann kann kann kann kann kann kann kann kann kann kann kann kann kann nicht kann kann kann nicht kann kann nicht kann nicht | | | | | | |
| | | | | | Joseph Beuys, "Scrolls", 1980, 38,3 x 28,3 cm, WvZ Schellmann: Nr. 347, 51/75 (Normalausgabe, Lithographie auf Rives gris) | | | | | | |
| | | | | Dieses Spiel von kann und nicht verweist auf etwas, was nicht genannt ist, dessen man sich dennoch nicht erwehren kann. Das ist das Ich. – Und das gekonnteste Können ist, von diesem Beuys-Ansatz her, die Aporie des Versagens und sogar Verschwindens soweit zu treiben, dass sie in einen totalen Verlust jeglichen Selbstbewusstseins aufgeht. Beuys lehrt einen, dass man sich das getrauen kann, dass das geht. – Gerade aus dieser Unmöglichkeit heraus zeigt die Ich-Kraft, die Willens-Kraft, wie Beuys sagt, ihr unwiderstehliches Vermögen. Also noch einmal: „Wer nicht denken will – sich selbst – fliegt raus!“ Seine Manresa-Aktion war Ignatius von Loyola, einem dezidierten Christen, gewidmet. Und da die Vernissage heute so schön zwischen Ostern und Pfingsten liegt, möchte ich mit folgendem Zitat von Beuys schließen: „Der Mensch ... muss gewisse Bewegungen vollziehen, gewisse Anstrengungen machen, um sich in den Kontakt zu bringen mit sich selbst. Und das ist ja der wahre Sinn des Wortes ‚Kreativität’. ... Nur wenn er dieses Verhältnis herstellt, kann er von seiner Schöpferkraft sprechen. Denn Selbstbestimmung kann nur ein freies Wesen ausführen. Und dieses Wesen ist ja frei geworden durch die Entwicklung nicht zum wenigsten, sondern zum meisten durch die Inkarnation des Christuswesens in die physischen Verhältnisse der Erde. Also ein reales Mysterium, ein kosmisches Ereignis hat sich vollzogen, kein nur historisches. Da hat sich ein Kraftfluss von absoluter Realität vollzogen. Und nun vollzieht sich mit dem Menschen eine Metamorphose, mit der er sehr große Mühe hat. Ganz große Mühe. Sehr schwer fällt es dem Menschen, aus eigener Kraft diese Selbstbestimmung auch wirklich in Anwendung zu bringen. Es fällt ihm ungeheuer schwer. Er möchte viel lieber noch was geschenkt bekommen. Er kriegt aber nichts mehr. Er kriegt nichts, gar nichts, von keinem Gott, von keinem Christus. Dennoch bietet sich diese Kraft an und will mit Gewalt hinein. Aber unter der Voraussetzung, dass der Mensch sich selbst aufrafft.“ So viel Mühe – und so viel Glück! | | | | | | |
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